Anna fragt nach: Interview mit Mathias von machina eX

Interview geführt von Anna Punke-Dresen

Mathias Prinz ist Theaterschaffender, Gamedesigner und Musiker. Er
studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität
Hildesheim. Seit 2010 entwirft er gemeinsam mit machina eX Computerspiele
im lebensechten Raum und übernimmt innerhalb des Medientheaterkollektivs
das Musik-Hörspiel-Sounddesign sowie Aufgaben im
Dramaturgie-Gamedesign, in der Organisation und Produktion.

Wie schaut eure aktuelle Arbeit aus? Könnt ihr auftreten?
Wie und wo?

Im Jahr 2020 haben wir alle unsere Projekte zu digitalen Projekten
umwidmen können. Dabei sind die beiden Produktionen
LOCKDOWN und HOMECOMING entstanden, die
das Publikum von zuhause aus spielen kann. machina eX hat
seit jeher einen ziemlich starken Fokus auf die Verwendung
von digitalen Spielmechanismen – im Normalfall integrieren
wir diese im lebensechten Raum, das ist seit März nicht möglich

© Paula Reissig

gewesen. Durch diese Grundausrichtung und das technische Know-How in unserem Team hatten wir es leichter als andere Künstler*innen, unser Schaffen für den Moment ganz ins Internet zu verlegen. Für uns war es deswegen auch naheliegend, uns ganz auf diese Arbeitsweise zu stürzen, anstatt für unsere üblichen Produktionen Hygienekonzepte zu entwickeln.

Was hat sich durch Corona und durch den Digitalisierungsschu verändert? Welche Herausforderung gibt es? Welche Chancen seht und erfahrt ihr?

Zunächst einmal haben sich unsere Arbeitsstrukturen verändert: Die Produktion LOCKDOWN früher im Jahr haben wir komplett über Video-Konferenzen erarbeitet. Für die größere Produktion HOMECOMING konnten wir dann wieder physisch zusammenkommen. Das schien uns auch bitter nötig zu sein, weil wir – wie so viele Menschen derzeit – eine starke Telepräsenz-Ermüdung erfahren haben. Durch die Krise gab es aber auch so etwas wie einen Enthusiasmus dafür, zusammenzuhalten, solidarisch miteinander zu sein und flexibel Lösungen zu finden – sowohl bei uns intern als auch in der Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen. Insgesamt muss man deutlich sagen, dass uns die Pandemie wirtschaftlich im Vergleich zu anderen Künstler*innengruppen und Veranstaltungs- Sparten deutlich weniger getroffen hat. Wir empfinden das als starkes Privileg. Dadurch waren in unserer Gruppe
auch Einsichten möglich wie: »Zuhause arbeiten ist also doch möglich!« und »Wenn der ganze Zirkus mal für ein paar Monate stehen bleibt, ist es also doch gar nicht so schlimm!«

Was bedeutet das für euer Publikum?

Das ist natürlich aus unserer Sicht schwer zu beantworten.
Nach unseren digitalen Produktionen in diesem Jahr
bekommt das Publikum jeweils die Chance, sich nach der
Vorstellung in einer Art Lobby mit anderen Zuschauer*innen
zu treffen und Erfahrungen auszutauschen oder uns noch eine
Frage zu stellen. In diesem Format haben wir häufig die Rückmeldung bekommen, dass man sich besonders jetzt über ein Live-Format gefreut habe. Darüber haben wir uns sehr gefreut.
Interessanterweise hatten wir nicht lang vor der Pandemie
das Ziel ins Auge gefasst, mit Hilfe von einer Produktionsserie
ein Format zu erarbeiten, bei dem unser Publikum auch
von zuhause spielen kann. Die Krise hat dann diese mehrjährige
Konzeption auf wenige Wochen verdichtet. Mit ziemlicher
Sicherheit werden wir die Arbeit an den dabei entstandenen
Formaten auch über die Pandemie hinaus fortsetzen.

© Anna Fries

Was plant ihr für 2021? Wie schaut eure Zukunft aus?

Im nächsten Jahr wird es in jedem Fall wieder eine Premiere von uns am HAU in Berlin geben. Momentan planen wir noch damit, ein Stück im lebensechten Raum zu machen. Ein lange gehegter Wunsch der Gruppe ist es außerdem, unsere Formate und Technologien besser an andere Künstler*innen und Pädagog*innen weitergeben zu können, dafür hoffen wir im nächsten Jahr ebenfalls Zeit zu finden. Davon abgesehen sind mehrere Projekte noch in Planung, es wird sicherlich viel zu tun geben.